Sie wollen Ihr CMS wechseln, aber haben Angst vor Ranking-Verlusten und Datenchaos? Verständlich – bei einer schlecht geplanten Migration können 42% des organischen Traffics dauerhaft verloren gehen. Dieser Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie das vermeiden: von der Backup-Strategie über den Redirect-Plan bis zur SEO-Absicherung.
Inhalt
- Was ist ein CMS?
- Wann ist eine Migration sinnvoll?
- Vorbereitung auf die Migration
- Backup: Ihre Versicherung
- Wann lohnt sich professionelle Hilfe?
Was ist ein CMS?
Ein Content-Management-System (CMS) ist eine Software, mit der Sie Website-Inhalte erstellen, bearbeiten und veröffentlichen – ohne Programmierkenntnisse.
Jedes CMS hat zwei Bereiche:
- Backend: Hier arbeiten Sie. Sie schreiben Texte, laden Bilder hoch und verwalten Seiten.
- Frontend: Das sehen Ihre Besucher. Die fertige Website im Browser.
Der Vorteil: Ihre Marketing-Mitarbeiter können Inhalte selbst aktualisieren, ohne auf die IT-Abteilung warten zu müssen. Ein Blogbeitrag ist in Minuten online, nicht in Tagen.
Verbreitete CMS-Systeme auf dem Markt
Auf dem Markt existieren zahlreiche CMS-Lösungen mit unterschiedlichen Ausrichtungen. Laut W3Techs nutzen etwa 43% aller Websites weltweit ein CMS – Tendenz steigend.
- WordPress: Mit rund 60% Marktanteil unter allen CMS das mit Abstand meistgenutzte System weltweit. Über 43% aller Websites basieren auf WordPress. Ideal für kleine bis mittelgroße Unternehmen. Mehr dazu in unserem Leitfaden zu WordPress Website & Webdesign.
- TYPO3: Mit etwa 220.000–300.000 aktiven Installationen besonders im deutschsprachigen Raum und bei europäischen Behörden verbreitet. Laut einer Analyse von T3Planet nutzen rund 50% der europäischen Städte-Websites TYPO3 als CMS. Geeignet für komplexe Enterprise-Websites mit hohen Sicherheitsanforderungen.
- Drupal: Mit etwa 1,1% Marktanteil eine bewährte Lösung für anspruchsvolle Projekte – besonders bei Regierungen, Universitäten und Organisationen mit hohen Sicherheits- und Compliance-Anforderungen.
- Joomla: Der Marktanteil ist von 8,6% (2015) auf unter 2% (2025) gefallen. Dennoch ein vielseitiges System mit aktiver Community und umfangreichen Erweiterungsmöglichkeiten.
Welches CMS passt zu Ihnen? Das hängt von drei Faktoren ab: Wie viele Seiten hat Ihre Website? Welche Funktionen brauchen Sie (Shop, Mehrsprachigkeit, Rechteverwaltung)? Und wer pflegt die Inhalte – ein Redakteur oder ein Entwickler?
CMS System wechseln: Klassisch vs. Headless
Bevor Sie migrieren, sollten Sie eine grundsätzliche Entscheidung treffen: klassisch oder headless?
Klassische Web-CMS (Monolithisch):
- Backend und Frontend sind eng miteinander verbunden
- Inhalte werden direkt im vordefinierten Design der Website ausgespielt
- Einfache Bedienung für Redakteure durch WYSIWYG-Editoren
- Begrenzte Flexibilität bei der Ausgabe auf verschiedenen Kanälen
Headless CMS:
- Strikte Trennung von Inhaltsverwaltung und Präsentationsschicht
- Inhalte werden über APIs bereitgestellt
- Hohe Flexibilität für die Ausgabe auf verschiedenen Plattformen (Website, App, IoT-Geräte)
- Skalierbar und zukunftssicher durch technologieunabhängige Inhaltsbereitstellung
- Erfordert mehr Entwicklungsressourcen und technisches Know-how
Faustregel: Haben Sie nur eine Website? Klassisches CMS. Bespielen Sie Website, App und digitale Displays mit denselben Inhalten? Dann lohnt sich der Mehraufwand für Headless.
Beliebte Migrationspfade beim CMS-Wechsel
Wohin wechseln die meisten Unternehmen – und warum?
| Von | Nach | Typischer Grund |
|---|---|---|
| WordPress | Headless (Strapi, Contentful) | Mehr Flexibilität, bessere Performance, Omnichannel-Anforderungen |
| TYPO3 | WordPress | Einfachere Bedienung, geringere Wartungskosten, größerer Entwickler-Pool |
| Joomla | WordPress | Größeres Ökosystem, bessere Plugin-Auswahl (Joomla-Marktanteil fällt seit Jahren) |
| Drupal | WordPress oder Headless | Vereinfachung oder Modernisierung der Architektur |
| Proprietäres CMS | Open Source | Unabhängigkeit vom Anbieter, keine Lizenzkosten, Community-Support |
| Älteres WordPress | Modernes WordPress | Sicherheitsupdates, Block-Editor (Gutenberg), bessere Performance |
Der Wechsel selbst ist selten das Problem. Schwierig wird es, wenn SEO-Rankings, Inhalte oder Funktionen auf der Strecke bleiben. Deshalb: Weiterlesen.
Wann ist eine Migration sinnvoll?
Nicht jedes Problem erfordert einen CMS-Wechsel. Manchmal reicht ein Update oder eine Optimierung. Diese Warnsignale zeigen jedoch, dass Sie handeln sollten:
- Keine Sicherheitsupdates mehr: Drupal 7 und TYPO3 v8 sind End-of-Life. Ohne Patches sind Sie ein leichtes Ziel für Hacker.
- Das Backend kriecht: Wenn Ihre Redakteure 30 Sekunden auf den Editor warten, stimmt etwas nicht. Das kostet täglich Arbeitszeit.
- Die Website bricht unter Last zusammen: Bei 10.000 Besuchern gleichzeitig sollte Ihr Server nicht in die Knie gehen.
- Plugins funktionieren nicht mehr: Wenn wichtige Erweiterungen nicht mehr kompatibel sind, stecken Sie fest.
Wann ist der beste Zeitpunkt?
- Januar bis März: Nach dem Weihnachtsgeschäft, bevor die Frühjahrskampagnen starten.
- Vor dem Rebranding: Wenn Sie ohnehin Logo und Design ändern, ist das der ideale Moment.
- Nach der Budgetfreigabe: Eine Migration mitten im Projekt abbrechen zu müssen ist teurer als zu warten.
- Nicht vor Black Friday: Migrieren Sie niemals kurz vor Ihrer wichtigsten Verkaufsphase.
Brauchen Sie externe Hilfe?
Ehrliche Einschätzung: Eine kleine WordPress-zu-WordPress-Migration schaffen technisch versierte Teams oft selbst. Bei einem Wechsel von TYPO3 zu einem anderen System oder bei mehr als 500 Seiten wird es ohne Erfahrung riskant.
Die häufigsten Fehler passieren bei Redirects und Datenbankstrukturen – beides ist schwer rückgängig zu machen.
Vorbereitung auf die Migration
80% des Erfolgs entscheiden sich vor dem eigentlichen Umzug. Wer hier spart, zahlt später doppelt.
Schritt 1: Bestandsaufnahme
Bevor Sie irgendetwas migrieren: Wissen Sie überhaupt, was Sie haben? Erstellen Sie eine Liste:
- Alle Seiten und Beiträge – wie viele sind es? (Screaming Frog zählt automatisch)
- Welche Seiten bringen Traffic? – Google Analytics zeigt die Top 50
- Was kann weg? – Veraltete News, Events von 2019, Seiten ohne Besucher
- Welche URLs haben Backlinks? – Diese müssen unbedingt weitergeleitet werden
Tipp: Nutzen Sie die Migration als Frühjahrsputz. Weniger Inhalte = schnellere Migration = weniger Fehlerquellen. Details dazu in unserem Content-Audit-Leitfaden.
Schritt 2: Zeitplan und Ressourcen
Realistische Zeitplanung für eine Migration mit 200 Seiten:
| Phase | Dauer | Wer |
|---|---|---|
| Bestandsaufnahme | 1 Woche | Marketing + IT |
| Redirect-Mapping | 1-2 Wochen | SEO-Verantwortlicher |
| Staging-Aufbau | 1-2 Wochen | Entwickler |
| Content-Übertragung | 2-4 Wochen | Redaktion |
| Tests | 1 Woche | Alle |
| Go-Live + Monitoring | 1 Tag + 2 Wochen | IT + SEO |
Wichtig: Richten Sie eine Staging-Umgebung ein. Dort können Sie alles testen, ohne die Live-Website zu gefährden.
Schritt 3: Das Redirect-Mapping
Das ist der wichtigste Teil. Erstellen Sie eine Excel-Tabelle mit zwei Spalten:
| Alte URL | Neue URL |
|---|---|
| /produkte/widget-a/ | /shop/widget-a/ |
| /news/2023/update/ | /blog/update-2023/ |
| /team/mueller/ | /ueber-uns/team/#mueller |
Jede alte URL braucht ein Ziel. Keine Ausnahmen. Tools wie Screaming Frog exportieren alle URLs automatisch.
Backup: Ihre Versicherung
Bevor Sie irgendetwas anfassen: Backup. Ohne Ausnahme. Wenn etwas schiefgeht, können Sie zurück zum Ausgangspunkt.
Was Sie sichern müssen
- Datenbank – alle Texte, Einstellungen, Benutzer (SQL-Export)
- Dateien – Bilder, PDFs, Videos (per FTP oder SSH herunterladen)
- Konfiguration – Theme-Einstellungen, Plugin-Liste mit Versionen
WordPress: UpdraftPlus oder BackWPup erstellen beides in einem Schritt.
TYPO3: Nutzen Sie den integrierten Export oder Tools wie typo3_console.
Goldene Regel: Zwei Kopien, zwei Orte. Eine auf dem Server, eine lokal oder in der Cloud. Testen Sie die Wiederherstellung bevor Sie migrieren.
SEO-Daten sichern
Diese Daten gehen bei einer Migration oft verloren – exportieren Sie sie vorher:
- Meta-Titles und Descriptions – aus Yoast, Rank Math oder dem CMS exportieren
- Alt-Texte aller Bilder – Screaming Frog listet diese auf
- Interne Verlinkungen – welche Seite verlinkt wohin?
- Top-50-Seiten aus Google Analytics – diese haben Priorität
Redirects: Der häufigste Fehler
Die Zahlen sind eindeutig: Laut einer Studie des Search Engine Journal dauert es durchschnittlich 229 Tage, bis der organische Traffic nach einer Migration zurückkommt. 42% der Websites erholen sich nie vollständig.
Der Grund? Fehlende oder falsche Weiterleitungen. So machen Sie es richtig:
- 301-Redirect für jede alte URL – nicht 302, nicht JavaScript-Redirect
- 1:1-Mapping – jede alte Seite zeigt auf eine passende neue Seite
- Canonical Tags prüfen – zeigen sie auf die richtige URL?
- URL-Parameter nicht vergessen – auch
/seite?id=123braucht ein Ziel
Nach dem Go-Live: Überwachen Sie die Google Search Console täglich. Neue 404-Fehler tauchen dort innerhalb von 24-48 Stunden auf. Beheben Sie sie sofort.
Warnendes Beispiel: WooCommerce wechselte 2023 von woocommerce.com auf woo.com. Das Ergebnis: 90% Sichtbarkeitsverlust. Nach fünf Monaten ohne Besserung – Rollback zur alten Domain. Ein Fehler, der Millionen kostete (Quelle).
Wann lohnt sich professionelle Hilfe?
Machen Sie es selbst, wenn:
- Sie von WordPress zu WordPress wechseln
- Ihre Website unter 100 Seiten hat
- Sie einen Entwickler im Team haben
- SEO kein kritischer Traffic-Kanal ist
Holen Sie sich Hilfe, wenn:
- Sie das CMS komplett wechseln (z.B. TYPO3 → WordPress)
- Ihre Website mehr als 500 Seiten hat
- Sie einen Online-Shop migrieren
- Ihre Rankings geschäftskritisch sind
Worauf Sie bei einer Agentur achten sollten
- Referenzen für Ihr Quell-CMS – Jemand, der noch nie TYPO3 migriert hat, lernt auf Ihre Kosten.
- SEO im Angebot – Technik allein reicht nicht. Redirects und Rankings müssen Teil des Projekts sein.
- Festpreis oder Time & Material? – Bei klarem Umfang ist Festpreis besser. Bei Unsicherheiten schützt Sie T&M vor bösen Überraschungen.
- Support nach Go-Live – Die ersten zwei Wochen sind kritisch. Wer ist erreichbar?
Nächster Schritt
Sie haben zwei Optionen:
Option A: Laden Sie unsere Checkliste herunter und starten Sie selbst.
Option B: Vereinbaren Sie ein kostenloses Erstgespräch – wir schauen gemeinsam auf Ihre Website und schätzen den Aufwand ein. Keine Verkaufspräsentation, nur eine ehrliche Einschätzung.