Letzte Woche rief mich ein Unternehmer an. Seine WordPress-Website war gehackt worden – Spam-Links auf jeder Seite, Google hatte die Domain bereits abgestraft. Das letzte Update? Vor 14 Monaten. Die Kosten für Bereinigung und Wiederherstellung: über 3.000 Euro. Die monatliche Wartung hätte 57 Euro gekostet.
Das ist kein Einzelfall. Nach meiner Erfahrung aus über 20 Jahren Webentwicklung werden etwa 70 Prozent aller kleinen und mittleren Unternehmenswebsites unzureichend gewartet. Nicht aus Absicht, sondern weil das Thema unterschätzt wird – bis etwas kaputtgeht.
Inhalt
- Warum Website-Wartung geschäftskritisch ist
- Die 7 Bereiche professioneller Website-Wartung
- Was Website-Wartung kostet
- Inhouse vs. Agentur vs. Automatisierung
- Was das für verschiedene Branchen bedeutet
- Wartungsplan erstellen: Schritt für Schritt
- Häufige Wartungsfehler und ihre Folgen
- Fazit
Warum Website-Wartung geschäftskritisch ist
Eine Website ist keine Broschüre, die man einmal druckt und dann vergisst. Sie besteht aus dutzenden Software-Komponenten, die ständig mit dem Internet kommunizieren – und damit Angriffszielen ausgesetzt sind.
Das Sicherheitsrisiko veralteter Systeme
Laut dem Patchstack State of WordPress Security Report 2025 stammten 96 Prozent aller WordPress-Schwachstellen im Jahr 2024 aus Plugins1. 43 Prozent davon waren ohne jede Authentifizierung ausnutzbar – und ein Drittel aller gemeldeten Lücken war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch ungepatcht2. Nicht geniale Hacker sind das Problem, sondern bekannte Sicherheitslücken, für die es längst Patches gab.
Die Logik der Angreifer ist simpel: Sie scannen automatisiert Millionen von Websites nach veralteten Plugin-Versionen. Finden sie eine bekannte Schwachstelle, schlagen sie zu – oft innerhalb von Stunden nach Bekanntwerden der Lücke.
Der schleichende Performance-Verfall
Neben Sicherheit gibt es einen zweiten Aspekt, den viele unterschätzen: Performance. Ohne regelmäßige Wartung sammeln sich Datenbank-Leichen an, Caches werden nicht bereinigt, und neue Browser-Anforderungen werden ignoriert.
Das Ergebnis? Google misst mit Core Web Vitals die Ladezeit und Nutzerfreundlichkeit Ihrer Website. Seiten, die unter diesen Schwellenwerten liegen, verlieren Rankings – langsam, aber stetig3. Ich habe Websites gesehen, die innerhalb von zwei Jahren von Seite 1 auf Seite 4 abgerutscht sind. Nicht wegen schlechter Inhalte, sondern wegen technischer Vernachlässigung.
Bei glamalux, einem Handwerksbetrieb den ich seit über 20 Jahren betreue, führe ich quartalsweise Performance-Checks durch. Das Ergebnis: Die Ladezeit blieb über die Jahre konstant unter 2 Sekunden, während vergleichbare Websites im Branchenschnitt heute bei 4-5 Sekunden liegen.
Die 7 Bereiche professioneller Website-Wartung
Website-Wartung ist mehr als “mal Updates klicken”. Sie umfasst sieben Bereiche, die zusammenspielen:
1. Sicherheitsupdates
Das Fundament. CMS-Core, Plugins, Themes – alles muss aktuell sein. Kritische Sicherheitsupdates sollten innerhalb von 24-48 Stunden eingespielt werden.
Intervall: Wöchentliche Prüfung, sofortige Reaktion bei kritischen Updates
2. Backup-Management
Backups sind Ihre Versicherung. Aber ein Backup, das nicht funktioniert, ist wertlos. Die Wiederherstellung muss regelmäßig getestet werden.
Intervall: Tägliche automatische Backups, monatlicher Wiederherstellungstest
3. Performance-Optimierung
Datenbank optimieren, Caches leeren und neu aufbauen, Bilder komprimieren, Code-Überreste entfernen. Eine optimierte Ladezeit ist kein Nice-to-have, sondern Ranking-Faktor.
Intervall: Monatlich
4. Monitoring und Uptime-Überwachung
Wissen Sie, wenn Ihre Website offline ist? Automatisierte Monitoring-Tools prüfen minütlich die Erreichbarkeit und alarmieren bei Ausfällen.
Intervall: Kontinuierlich (automatisiert)
5. Content-Pflege
Veraltete Öffnungszeiten, tote Links, nicht mehr verfügbare Produkte – solche Fehler kosten Vertrauen. Technische Wartung ist Grundlage, aber Content-Pflege gehört dazu.
Intervall: Quartalsweise Content-Audit
6. SSL-Zertifikate und HTTPS
SSL-Zertifikate laufen ab. Ohne automatische Erneuerung zeigt der Browser plötzlich Warnungen – Gift für das Vertrauen Ihrer Besucher.
Intervall: Automatische Erneuerung einrichten, quartalsweise Prüfung
7. Kompatibilitätstests
PHP-Versionen ändern sich, Browser-Standards entwickeln sich weiter. Was vor zwei Jahren funktionierte, kann heute Darstellungsfehler verursachen.
Intervall: Halbjährlich umfassender Funktionstest
Was Website-Wartung kostet
Die häufigste Frage, die ich höre: “Was kostet Website-Wartung?” Die ehrliche Antwort: Es kommt darauf an. Aber ich kann Ihnen Orientierungswerte geben.
Kostenstruktur nach Aufwand
| Wartungsumfang | Monatliche Kosten | Geeignet für |
|---|---|---|
| Basis (Updates + Backup + Monitoring) | ab 34 € | Einfache Websites ohne komplexe Funktionen |
| Standard (+ mehr Support + Security optional) | ab 57 € | Geschäftswebsites mit Lead-Generierung |
| Premium (+ tägliche Backups + Firewall inkl.) | ab 104 € | E-Commerce, komplexe Webanwendungen |
Diese Preise decken die technische Basiswartung ab: Updates, Backups, Monitoring und Support. Erweiterte Leistungen wie quartalsweise Content-Audits, SEO-Checks, Security-Audits oder jährliche Strategie-Reviews werden individuell nach Aufwand berechnet – je nach Website-Komplexität und Branchenanforderungen.
Die versteckten Kosten der Nicht-Wartung
Rechnen Sie dagegen: Ein Sicherheitsvorfall kostet durchschnittlich 3.000-8.000 Euro für Bereinigung und Wiederherstellung. Bei einem Datenschutzverstoß durch veraltete DSGVO-Funktionen kommen potenziell Bußgelder hinzu. Google-Abstrafungen durch Malware können Monate brauchen, um aufgehoben zu werden – mit entsprechenden Umsatzeinbußen.
Bei einer meiner Kundenwebsites habe ich den ROI mal konkret ausgerechnet: 15 Jahre kontinuierliche Wartung für insgesamt etwa 14.400 Euro. Ein einziger Hack mit Ausfallzeit und Bereinigung hätte leicht 5.000-10.000 Euro gekostet – und das Vertrauen der Kunden beschädigt.
Inhouse vs. Agentur vs. Automatisierung
Sie haben drei Optionen für die Website-Wartung. Jede hat Vor- und Nachteile.
Option 1: Selbst machen
Vorteile: Keine laufenden Kosten, volle Kontrolle, sofortige Reaktion möglich
Nachteile: Zeitaufwand, Fachwissen erforderlich, Risiko bei Fehlern
Meine Einschätzung: Nur sinnvoll, wenn Sie oder ein Mitarbeiter technisch versiert sind UND die Zeit dafür haben. Updates zu klicken ist einfach – zu wissen, welche Updates Probleme verursachen könnten, ist es nicht.
Option 2: Agentur oder Freelancer
Vorteile: Expertise, Zeitersparnis, proaktive Problemerkennung, Haftung
Nachteile: Laufende Kosten, Abhängigkeit, Reaktionszeiten variieren
Meine Einschätzung: Für die meisten KMU die beste Lösung. Der Aufpreis gegenüber DIY rechnet sich durch vermiedene Probleme. Ich biete selbst WordPress-Wartung als Paket an, weil ich weiß, wie viel Ärger sie Unternehmern erspart.
Option 3: Automatisierte Dienste
Vorteile: Günstig, automatische Updates, grundlegendes Monitoring
Nachteile: Keine individuelle Prüfung, keine Content-Wartung, keine Kompatibilitätstests
Meine Einschätzung: Als Ergänzung sinnvoll, als Komplettlösung riskant. Automatische Updates können Kompatibilitätsprobleme verursachen, die niemand bemerkt, bis ein Kunde anruft.
Was das für verschiedene Branchen bedeutet
Website-Wartung ist nicht gleich Website-Wartung. Je nach Branche verschieben sich die Prioritäten erheblich.
Für Kanzleien und Steuerbüros
In regulierten Berufen wie Rechtsanwälten und Steuerberatern steht Datenschutz an oberster Stelle. Die Berufsordnungen (BRAO, StBerG) verlangen vertrauliche Behandlung von Mandanteninformationen – eine kompromittierte Website ist nicht nur ein IT-Problem, sondern ein berufsrechtliches.
Wartungsprioritäten:
- SSL-Zertifikate und verschlüsselte Datenübertragung: Quartalsweise Überprüfung
- DSGVO-Konformität bei Kontaktformularen und Mandantenportalen
- Regelmäßige Sicherheitsaudits dokumentieren (für eventuelle Prüfungen)
- Update-Log führen als Nachweis der Sorgfaltspflicht
Bei der Zusammenarbeit mit Kanzleien wie Siburg oder Gerl achte ich besonders auf die dokumentierte Wartungshistorie. Im Streitfall kann der Nachweis regelmäßiger Sicherheitsmaßnahmen entscheidend sein.
Spezifisches Risiko: Ein Mandantenportal mit veralteter Software kann zur Haftungsfalle werden. Professionelle Wartung ist hier kein Luxus, sondern schützt vor berufsrechtlichen Konsequenzen.
Für Arztpraxen und Gesundheitsdienstleister
Im Gesundheitsbereich gelten verschärfte Datenschutzanforderungen. Patientendaten sind besonders schützenswert – ein Datenleck hat strafrechtliche Konsequenzen.
Wartungsprioritäten:
- Online-Terminbuchungssysteme müssen DSGVO-konform und verfügbar sein
- Heilmittelwerbegesetz (HWG): Bei Content-Updates auf rechtskonforme Formulierungen achten
- Barrierefreiheit: Medizinische Einrichtungen haben erhöhte Sorgfaltspflichten
- Ausfallsicherheit: Wenn die Terminbuchung nicht funktioniert, rufen Patienten an – oder gehen woanders hin
Spezifisches Risiko: Viele Praxiswebsites nutzen Drittanbieter-Plugins für Terminbuchung. Diese müssen separat auf Updates und Sicherheit geprüft werden, da sie oft direkten Zugriff auf Patientenkalender haben.
Die Wartung einer Arztpraxis-Website erfordert zusätzlich Sensibilität beim Umgang mit Bewertungen und Patientenfeedback – hier gelten besondere Löschpflichten.
Für Immobilienmakler
Bei Maklern dreht sich alles um Lead-Generierung und aktuelle Exposés. Eine langsame oder fehlerhafte Website kostet direkt Provision.
Wartungsprioritäten:
- Objekt-Feeds von Portalen: Schnittstellen (OpenImmo, IS24) müssen fehlerfrei laufen
- Bildergalerien und virtuelle Rundgänge: Performance-intensive Elemente brauchen regelmäßige Optimierung
- Kontaktformulare: Jede nicht zugestellte Anfrage ist ein verlorener Lead
- Mobile Performance: Interessenten suchen mobil – Core Web Vitals sind hier geschäftskritisch
Bei Immobilienwebsites wie Citigrund sehe ich regelmäßig, dass defekte Objektfeeds erst nach Tagen auffallen – wenn Interessenten sich beschweren. Automatisiertes Monitoring der Schnittstellen ist hier Pflicht.
Spezifisches Risiko: Veraltete SSL-Zertifikate oder fehlerhafte Formulare werden von Interessenten sofort als Unprofessionalität gewertet. Bei Transaktionen in dieser Größenordnung ist Vertrauen alles.
Für Handwerksbetriebe
Handwerker brauchen Websites, die auf der Baustelle funktionieren – also mobile Performance vor allem anderen.
Wartungsprioritäten:
- Mobile-First-Performance: Die meisten Zugriffe kommen vom Smartphone
- Referenzbilder und Projektgalerien: Bildoptimierung ohne Qualitätsverlust
- Kontaktinformationen und Erreichbarkeit: Click-to-Call muss funktionieren
- Google My Business-Verknüpfung: Lokale Sichtbarkeit prüfen
Für glamalux führe ich seit über 20 Jahren die technische Wartung durch – Updates, Sicherheit, Performance. Die Inhalte pflegt das Team selbst, was zeigt: Mit der richtigen Aufgabenteilung zwischen technischer Wartung und Content-Pflege funktioniert auch langfristig alles reibungslos. Mehr zum Thema Projektdarstellung finden Sie in meinem Artikel über Fotoshooting-Strategien für Handwerker-Websites.
Spezifisches Risiko: Viele Handwerker-Websites laufen auf veralteten CMS-Versionen, weil “es ja funktioniert”. Funktioniert – bis Google die mobile Performance abstraft und die Anfragen einbrechen.
Wartungsplan erstellen: Schritt für Schritt
So erstellen Sie einen Wartungsplan, der in der Praxis funktioniert:
Schritt 1: Bestandsaufnahme
Listen Sie alle Komponenten Ihrer Website auf:
- CMS und Version
- Alle Plugins/Extensions mit Versionen
- Theme/Template
- PHP-Version des Servers
- SSL-Zertifikat-Ablaufdatum
- Letzte Backup-Prüfung
Schritt 2: Kritikalität bewerten
Nicht alles ist gleich wichtig. Priorisieren Sie:
- Kritisch: Sicherheitsupdates, Backup-Funktion, SSL
- Wichtig: Performance, Kontaktformulare, Hauptfunktionen
- Nice-to-have: Design-Anpassungen, neue Features
Schritt 3: Intervalle festlegen
Basierend auf der Kritikalität:
- Wöchentlich: Sicherheitscheck, Update-Prüfung
- Monatlich: Performance-Check, Backup-Test, Content-Prüfung auf Aktualität
- Quartalsweise: Umfassender Funktionstest, SEO-Check, Security-Audit
- Jährlich: Hosting-Überprüfung, Vertragsprüfung, Strategie-Review
Schritt 4: Verantwortlichkeiten klären
Wer macht was? Dokumentieren Sie:
- Interne Zuständigkeit oder externer Dienstleister
- Eskalationswege bei Problemen
- Zugangsdaten sicher verwahren (Passwort-Manager!)
- Vertretungsregelung
Häufige Wartungsfehler und ihre Folgen
In 20 Jahren habe ich jeden Fehler gesehen – oft mehrfach. Hier die häufigsten:
Fehler 1: “Das Update mache ich später”
Konsequenz: Sicherheitslücken werden ausgenutzt, je länger sie offen bleiben. Angreifer kennen die Lücken, sobald der Patch veröffentlicht wird.
Lösung: Feste Update-Tage einrichten. Dienstags ist ein guter Tag – dann sind die meisten wichtigen Updates bereits erschienen.
Fehler 2: Updates ohne Backup einspielen
Konsequenz: Wenn etwas schiefgeht, gibt es keinen Weg zurück. Ich habe Websites gesehen, die tagelang offline waren, weil ein Plugin-Update das gesamte System lahmlegte.
Lösung: Immer, wirklich immer, vor Updates ein Backup erstellen und dessen Funktion prüfen.
Fehler 3: Alle Updates gleichzeitig installieren
Konsequenz: Wenn danach ein Problem auftritt, wissen Sie nicht, welches Update schuld ist.
Lösung: Updates einzeln einspielen und dazwischen testen. Ja, das dauert länger. Nein, es gibt keinen besseren Weg.
Fehler 4: Keine Staging-Umgebung nutzen
Konsequenz: Updates werden direkt auf der Live-Site getestet – wenn etwas kaputt geht, sehen es Ihre Kunden.
Lösung: Staging-Umgebung einrichten, Updates dort testen, dann auf Live übertragen.
Fehler 5: Wartung nur bei Problemen
Konsequenz: Wenn Sie merken, dass etwas nicht stimmt, ist der Schaden oft schon entstanden – sei es eine Sicherheitslücke, ein Ranking-Verlust oder ein Performance-Problem.
Lösung: Proaktive, regelmäßige Wartung nach festem Plan. Nicht warten, bis etwas passiert.
Fazit
Wie bei einem Auto oder einer Immobilie: Regelmäßige Wartung erhält den Wert und verhindert teure Reparaturen. Was Sie mitnehmen sollten:
- Sicherheit geht vor: Wöchentliche Update-Prüfung ist Minimum
- Backups sind nutzlos, wenn sie nicht funktionieren: Regelmäßig testen
- Performance-Verfall ist schleichend: Quartalsweise messen und optimieren
- Dokumentation schützt: Bei Datenschutzvorfällen zählt der Nachweis der Sorgfalt
- Professionelle Wartung rechnet sich: Die Kosten eines Sicherheitsvorfalls übersteigen jahrelange Wartungskosten
Die Entscheidung ist nicht, ob Sie Geld für Wartung ausgeben – sondern wann: Kontinuierlich in kleinen, planbaren Beträgen oder einmalig in großen, ungeplanten Summen nach einem Vorfall.
Sie sind unsicher, wie es um Ihre Website steht? Melden Sie sich bei mir – ich schaue mir den aktuellen Stand an und sage Ihnen ehrlich, wo Handlungsbedarf besteht.