Markus und Sabrina haben ihre Websites in den letzten Monaten selbst gebaut — keine Agentur, kein Webdesigner, beide mit KI-Unterstützung. Thomas rechnet nach, ob er seinen Wartungsvertrag noch braucht. Alle drei sind dabei auf Dinge gestoßen, die vorher nicht auf dem Zettel standen. Sabrinas Seite steht seit drei Wochen still, weil niemand mehr weiß, wo der Zugang liegt. Kein Hack, kein Crash — einfach vergessen.
Drei verschiedene Wege. Drei sehr verschiedene Nachgespräche.
Markus baut in einem Nachmittag — mit dem IONOS AI Page Builder
Ein Elektrobetrieb, fünf Mitarbeiter, guter Auftragsstand. Die alte Website läuft seit 2016 — sieht man. Gebraucht wird: Adresse, Leistungen, Telefonnummer. Kein Shop, keine Buchungsfunktion.
Der IONOS AI Page Builder liefert genau das. Betriebsname eingeben, Branche wählen, fertig. Einen Nachmittag später steht die Seite: modernes Design, lädt auf dem Handy schnell, Preis weit unter Agentur-Niveau.
Drei Monate danach fragt ein Bekannter: „Hast du das Impressum geprüft?” Markus hatte die Builder-Vorlage übernommen. Pflichtangaben nach §5 DDG für Handwerksbetriebe waren unvollständig — berufsrechtliche Kammer, zugehörige Handwerksordnung. Kleinkram, aber Pflicht. Für jeden, unabhängig vom Tool.
Dann das Plattform-Thema: IONOS-Seiten sind nicht exportierbar. Wer später wechseln will, baut neu. Ein Backup im klassischen Sinne gibt es nicht.
Nach sechs Monaten erscheint die Seite bei Google auf Seite drei. AI-Baukasten-Seiten schneiden bei strukturierten Daten und Core Web Vitals systembedingt schlechter ab als optimierte Eigenentwicklungen. Für Markus ist das kein Problem — er braucht keine Leads über Google. Für jemanden mit anderem Ziel wäre es eines.
Sein Fazit: Das Tool hat geliefert. Die Lücken lagen woanders — im Impressum, in der Plattformabhängigkeit, in einer SEO-Erwartung, die nie explizit gestellt wurde.
Sabrina baut mit Claude — und landet bei Fragen, die Claude nicht beantworten kann
Grafikdesignerin, drei Jahre selbstständig. WordPress nervt: Plugins, Updates, Abhängigkeiten. Das technische Verständnis ist da, und Claude sieht nach einem sauberen Weg aus.
Sechs Wochen später steht eine statische HTML/CSS-Site — kein CMS, keine Plugin-Konflikte, gute Performance. Das Design stimmt. Den Code versteht sie.
Dann kommen die Fragen, bei denen Claude guten Code schreibt, aber keine Verantwortung übernimmt.
Die Datenschutzerklärung: Google Fonts lokal eingebunden, alles sauber. Nachträglich kommt ein Kontaktformular über Formspree — ein US-amerikanischer Drittanbieter. Datenweitergabe in ein Drittland, DSGVO-relevant. Beim Bauen war daran niemand gedacht.
Das Hosting: Netlify ist für statische Seiten eine vernünftige Wahl. Aber die Verarbeitungsverträge, der Serverstandort, die Limits im kostenlosen Plan — das hatte sie beim Aufsetzen nicht vollständig durchgearbeitet.
Das Nachpflege-Problem: Die Seite läuft — bis sie es nicht mehr tut. Die Zugangsdaten für Netlify lagen in einer Notiz, die niemand mehr findet. Seitdem steht die Seite. Wenn in einem Jahr etwas geändert werden soll, muss wieder in den Code gegriffen werden. Versionskontrolle wurde nicht eingerichtet — kein Hinweis von Claude, kein Hinweis von ihr.
Sabrinas Bilanz: Sie beherrscht ihre Website technisch vollkommen — Code, Design, Hosting. Aber die Verantwortung, die vorher ein Wartungsvertrag stillschweigend abgedeckt hat, liegt jetzt komplett bei ihr — ohne dass sie das so bewusst entschieden hatte.
Thomas rechnet nach — und hat noch nicht entschieden
Kleine Unternehmensberatung, jahrelanger WordPress-Wartungsvertrag. Zufrieden damit. Aber die Frage bleibt: Braucht er das noch? Ein interner Mitarbeiter könnte die Pflege übernehmen.
Gekündigt hat er noch nicht.
Was er durchrechnet: Der Mitarbeiter kennt WordPress grundlegend. Aber Updates klingen einfacher als sie sind. Ein Plugin-Konflikt nach einem Core-Update kann die Seite für Stunden lahmlegen — wer springt dann ein? Der Mitarbeiter hat andere Kernaufgaben.
Er schaut genau hin, was ein Wartungsvertrag abdeckt: monatliche Updates, ein Backup-System, Reaktionszeit bei Ausfällen. All das lässt sich nachrüsten — mit Zeit, mit Wissen, mit einem guten Backup-Plugin. Kostenlos ist es trotzdem nicht.
Thomas ist mit seiner Entscheidung noch nicht fertig. Das ist kein Zögern — das ist die richtige Haltung.
Was alle drei gemeinsam haben
Alle drei haben eine funktionierende Website. Und alle drei sind auf Überraschungen gestoßen, die vor der Entscheidung nicht auf dem Zettel standen.
Das ist kein Argument gegen KI-Tools oder gegen den Selbstbau. Es ist ein Argument dafür, vorher zu wissen, was man dabei übernimmt — und was man bewusst nicht übernehmen will.
Der Impuls kommt aus echten Motiven: Kosten senken, unabhängig sein, Kontrolle behalten. Das ist legitim. Die Frage ist nicht, ob ein KI-Tool das kann. Die Frage ist: Was kommt danach?
Eine neue Website ist kein abgeschlossenes Projekt. Sie ist der Anfang einer Pflege-Aufgabe.
Und noch eine Vorfrage, die gerne übersehen wird: Was soll die Website eigentlich leisten? Sichtbarkeit in der Suche, neue Anfragen, eine digitale Visitenkarte oder der Betrieb als Vertriebskanal — das sind vier verschiedene Projekte mit unterschiedlichen Anforderungen. Wer das nicht klärt, baut am Ziel vorbei. Die SEO-Erwartung, die bei Markus nie auf dem Zettel stand, war dafür nur das sichtbarste Beispiel.
Welcher Typ bist du?
| Situation | Selbst sinnvoll, wenn … | Professionelle Begleitung sinnvoll, wenn … |
|---|---|---|
| Kleine Visitenkarte, kein Shop, kein SEO-Ziel | Tool reicht — Impressum danach prüfen | Plattformwechsel später wahrscheinlich oder Ranking wichtig |
| Ambitionierter Selbstbau mit KI | Technisches Verständnis da, DSGVO und Hosting bewusst entschieden | Drittanbieter-Einbindungen, US-Hosting, Formulare geplant |
| Bestehende WordPress-Site, Wartung kündigen | Interne Person kennt Updates, Backups und Notfall-Protokoll | Ausfallrisiko ungeklärt oder Wartung bisher nie im Detail geprüft |
Zum Thema Barrierefreiheit noch ein Wort, das über eine Randbemerkung hinausgeht: Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz gilt für Kleinstdienstleister ohne Online-Shop und ohne Buchungsfunktion in vielen Fällen nicht — das bleibt wahr, und wer es als Druckmittel hört, darf nachfragen. Aber „kein Gesetz zwingt dich” bedeutet nicht „Barrierefreiheit ist egal”. Ein echter Footer, der wegen zu geringer Farbkontraste selbst für normalsichtige Besucher kaum lesbar war — das ist kein Randproblem, das ist Besucherverlust, für alle. Dazu kommt: Was Barrierefreiheit ausmacht — klare Struktur, lesbare Schrift, sauberes HTML — ist genau das, was Suchmaschinen ebenfalls bevorzugen. Die Überforderung, das alles im Blick zu behalten, ist übrigens real. Und genau dafür gibt es Beratung.
MichelyWeb entwickelt auf KI-gestütztem Stack — konsequent statt klassischer WordPress-Architektur, als Ansatz und nicht als Experiment. Was das konkret bedeutet, wo die Unterschiede zum Vibe-Coding liegen und wie MichelyWeb diese Expertise auch für andere Agenturen als Beratungsleistung zugänglich macht, kommt im nächsten Beitrag.
Häufig gestellte Fragen
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